Vom Hörensagen lernt man Lügen. So der Volksmund
Beim Hinhören hört der geneigte Zuhörer etwa folgende Fragen und «Gerüchte»:
🍷 Die Quelle, die lieber Sprudel sein wollte
Im Jahr 1823 bohrten Männer am Rhein bei Eglisau nach Salz. Man wollte reich werden, zumindest ein bisschen. Tagelang wurde geschuftet. Dann endlich – Wasser!
„Das isch kei Salz“, soll einer gemurmelt haben. „Aber probier mal.“
Es sprudelte. Es schmeckte eigenartig frisch. Und statt Salz fand man eine Mineralquelle. Aus der Enttäuschung wurde eine Kuridee, aus der Kur ein Geschäft – und viele Jahrzehnte später sprudelte daraus sogar die berühmte Vivi Kola.
Die Alten im Dorf sagen noch heute:
„Mir hend eigentlich nach em Falsche gsuecht – und genau s’Richtige gfunde.“
🐟 Der letzte Lachs vom Rhein
Früher war der Rhein bei Eglisau kein Ort für Badegäste – sondern für Fischer. Wenn im Frühling die Lachse zogen, standen die Männer mit Netzen bereit. Man erzählt sich von einem besonders gewaltigen Fang, einem Lachs so gross wie ein Kind.
Der alte Fischer Hans – so heisst es – habe gerufen:
„Haltet fescht! Dä will nöd i d’Pfanne!“
Als später die Kraftwerke gebaut wurden, verschwanden die Lachse. Und mit ihnen ein Stück Alltag. Im Ortsmuseum Eglisau hängen heute Bilder von damals.
Und manchmal, wenn der Nebel tief über dem Rhein liegt, sagen die Einheimischen:
„Hörsch? Das isch kei Wind. Das sind d’Lachs, wo zrugg wänd.“
🚂 Die Brücke, die das Dorf erzittern liess
Als die gewaltige Eisenbahnbrücke 1897 fertig war, staunten alle. Eisen über dem Rhein! Fortschritt! Zukunft!
Doch in den ersten Nächten, wenn ein Zug über die Eglisau Railway Bridge donnerte, bebten die Häuser. Kinder sprangen erschrocken aus den Betten.
Eine Grossmutter soll gesagt haben:
„Das isch kei Gwitter. Das isch d’Ziit, wo über eus drüberfahrt.“
Mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Heute gehört das Rattern einfach dazu – wie Kirchenglocken oder das «plätschern» des Rheins.
🏚️ Das Haus, das alles gesehen hat
Im Städtli steht der ehrwürdige Gasthof Hirschen. Seit dem 16. Jahrhundert gehen hier Reisende ein und aus. Händler, Soldaten, Liebespaare, Flüchtende.
Man sagt, wenn man ganz still in der Wirtsstube sitzt, hört man das Murmeln vergangener Gespräche in den Balken knistern.
Ein Wirt erzählte einmal:
„Die Wänd hend meh Gheimnis ghört als mir je erfahre wänd.“
Leider ist auch dies Zeit Vergangenheit, oder doch nicht?
🌊 Zwei Buben und ein neues Zuhause
1943 kamen zwei jüdische Knaben ins Dorf – fremd, still, vorsichtig. Der Krieg hatte sie hierher geführt.
Eine Bäuerin soll ihnen am ersten Abend Brot und Milch hingestellt haben und gesagt haben:
„Da sinder jetzt sicher.“
Später erzählten sie, dass sie in Eglisau zum ersten Mal wieder unbeschwert am Rhein gespielt hätten.
Manchmal sind die grössten Geschichten nicht laut – sondern leise.
Von den Reichen 💰 und den 😟 Armen

Kommst Du aus Eglisau?
Antwort: Ja
von rechts des Rheins oder links des Rheins?
Antwort: links des Rheins
Ah, dann kommst Du daher wo die armen Wohnen!
Denn rechts des Rheins da leben die Schönen und die Reichen!
Gehört von einer Passantin an meinem Wahlkampfstand am 26.02.2026 😊
Interessantes z. Bsp. aus dem Jahr 1936

- hatte die Schweiz 4.167 Mio. Einwohner (Eglisau hatte 1936 ca. 1350 Einwohner)
- zählte die Weltbevölkerung 2149 Mio. Menschen
- verkehrten auf Schweizer Strassen 69136 Personenwagen
- betrug der durchschnittliche Stundenlohn Sfr. 1.36.-
- kosteten zum Beispiel:
1 Kilo Brot SFr. 0.36.-
100g Emmentaler SFr. 0.26.-
1 Kilo Kaffee SFR. 2.80.-
1 Liter Milch SFr. 0.31.- - war das Geburtsjahr von Roy Orbison, Uwe Seeler, Dolly Parton ….
- wurde in den USA der erste Hitparade veröffentlicht
- konnte erstmals auf einem Trampolin gehüpft werden
- fand die Jungfernfahrt des Luxusdampfers «Queen Mary» statt
Peter Bolli