(Teil 2)
Krankenkassenprämien werden für Normalverdiener untragbar 💰
Die Krankenkassen sind in den letzten beiden Jahren um 15 Prozent in die Höhe geschossen, während die Löhne kaum vom Fleck kamen. Selbst wenn eine vierköpfige Familie einen HMO- oder Hauarztmodell wählt, zahlt sie heute mehr als 1000.- Franken pro Monat für die Krankenkasse. Für viele Haushalte ist das nicht mehr tragbar. Die Standardprämie abzüglich Prämienverbilligung lag im Jahr 2024 für eine Familie mit mittlerem Einkommen bei 14 Prozent des Nettolohnes. Die Prämienbelastung hat sich in den letzten 25 Jahren fast verdoppelt.
Eines der Hauptprobleme ist, dass die Kantone ihre Prämienverbilligung nicht ausreichend erhöht haben. Der Bundesrat versprach, niemand müsse mehr als 8 Prozent des Einkommens für die Krankenkasse ausgeben. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Prämienverbilligung eingeführt. Das Versprechen wurde von den Kantonen nicht eingehalten. Schlimmer noch: Während sich die Prämien mehr als verdoppelten, wurden die Verbilligungen (ohne Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen) nur um etwas mehr als 30 Prozent erhöht.
Hinzu kommt, dass es bei der Prämienverbilligung grosse Kantonale Unterschiede gibt. Eine Familie mit 80 000.- Franken Bruttoeinkommen bezahlt in den allermeisten Kantonen mehr als 10 Prozent Krankenkassenprämie, trotz Verbilligung. Im Kanton Neuenburg, welcher die höchste Belastung hat, bezahlt man fast vielmal mehr Prämien als im Kanton Zug mit der geringsten Belastung, obwohl man in beiden Kantonen für denselben Leistungskatalog bezahlt.
Quelle: SGB
Krankenkassenprämien brechen Steuerprogression 💰
Eine der staatlichen Aufgaben ist es, für einen sozialen Ausgleich zu sorgen und ungerechte Entwicklungen bei Löhnen und Einkommen wenigstens teilweise zu korrigieren. Die Bundesverfassung verlangt deshalb u.a. eine Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Nimmt man aber alle Abgaben zusammen, zeigt sich, dass die Kopf-Prämien der Krankenkassen von diesem Ziel immer mehr abweichen. Hinzu kommt, dass die direkten Steuern bei sehr hohen Einkommen im Durchschnitt sogar degressiv wirken. Das führt dazu, dass die durchschnittliche steuerliche Belastung für Alleinstehende ab einem Einkommen von 300 000.- Franken kaum mehr steigen und über 1 000 000.- Franken im Jahr sogar sinken.
Auch im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Schweizer Sozial- und Steuerpolitik besonders unsozial ist. Sie gleicht die Ungleichverteilung der Einkommen nur sehr wenig aus. Hauptgrund sind die Kopfprämien bei den Krankenkassen und die geringe Prämienverbilligungen.
Kein Land in Europa hat sein Gesundheitssystem so unsozial finanziert, so dass eine Malerin und ein Bank CEO gleich viel für die Krankenkassen bezahlen müssen.
Wie heisst es so schön in unserer Verfassung:
«Im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber der künftigen Generation, gewiss dass frei ist wer seine Freiheit gebraucht, und dass der Stärke des Volkes sich misst am Wohle der Schwachen.»
Fazit 1: ⚖️
Die Kritik trifft einen wunden Punkt der Schweizer Politik – und beschönigende Worte helfen hier wenig. Das System der Kopfprämien ist im Kern regressiv: Es belastet diejenigen am stärksten, die am wenigsten haben. Dass eine Malerin und ein Bank-CEO nominal gleich viel für die Krankenkasse bezahlen, ist kein Ausdruck von Fairness, sondern von struktureller Ungleichheit.
Die von der Politik oft zitierte „Eigenverantwortung“ dient dabei allzu häufig als politisches Feigenblatt. In der Realität bedeutet sie für viele Menschen schlicht Überforderung: steigende Prämien, stagnierende Löhne und eine Entlastung, die je nach Kanton, so scheint es, willkürlich ausfällt. Dass die Prämienverbilligungen nicht ausreichend greifen, ist kein Zufall, sondern das Resultat politischer Entscheide.
Im internationalen Vergleich steht die Schweiz schlecht da. Während andere europäische Länder ihre Gesundheitssysteme stärker solidarisch und einkommensabhängig finanzieren, hält die Schweiz an einem Modell fest, das soziale Unterschiede eher verstärkt als ausgleicht. Hohe Qualität im Gesundheitswesen darf kein Argument dafür sein, ein offenkundig ungleiches Finanzierungssystem zu rechtfertigen. 🌍
Besonders stossend ist dabei der Widerspruch zur eigenen Verfassung. Wenn sich „die Stärke des Volkes am Wohl der Schwachen misst“, dann versagt die aktuelle Politik genau an diesem Anspruch. Ein System, das breite Teile der Bevölkerung finanziell unter Druck setzt, während hohe Einkommen kaum belastet werden, untergräbt diesen Grundsatz.
Wer diesen Zustand verteidigt, verteidigt letztlich eine Politik, die soziale Ungleichheit in Kauf nimmt – oder sogar zementiert. Eine ernsthafte Reform müsste deshalb genau hier ansetzen: bei einer deutlich stärkeren Entlastung tiefer und mittlerer Einkommen und einer Finanzierung, die sich endlich am Leistungsfähigkeitsprinzip orientiert.
Wenn die Politik sich in nächster Zeit nicht bewegt, wird sich das Volk bewegen. Unsere Volksvertreter bei Bund, Kantonen und Gemeinden sollten den Knall gehört haben. Wenn sie weiterhin warten bis sie die Druckwelle spüren, könnte es für alle unangenehm werden, – das wollen wir nicht, also ihr Politiker, in der Sache ist Bewegung angesagt ……
oder Fazit 2 …
Steuern sollen nach Leistungsfähigkeit erhoben werden
→ Das entspricht der Schweizer Bundesverfassung (Progression, sozialer Ausgleich)
Krankenkassenprämien (Kopfprämien) sind unsozial
→ Weil alle gleich viel zahlen, unabhängig vom Einkommen
Gesamtsystem (Steuern + Abgaben) wird teilweise degressiv
→ Besonders bei sehr hohen Einkommen
👉 Das ist in der politischen Debatte absolut ein bekanntes Argument (v. a. von links/sozialpolitisch).
Kopfprämien wirken regressiv
Die Prämien des Schweizer Krankenversicherungssystems:
- sind nicht einkommensabhängig
- belasten tiefe Einkommen prozentual stärker
👉 Beispiel:
- 5’000 CHF Prämie =
- 10% bei 50k Einkommen
- 1% bei 500k Einkommen
➡️ Das ist klassisch regressiv
Gesamtbelastung ist weniger progressiv als gedacht
Wenn man alles kombiniert:
- direkte Steuern (progressiv)
- Sozialabgaben
- Krankenkassenprämien
👉 ergibt sich:
- insgesamt weniger Umverteilung als in vielen EU-Ländern
Das bestätigen auch internationale Vergleiche (z. B. OECD).
Prämienverbilligungen gleichen das nur teilweise aus
Die staatlichen Zuschüsse:
- helfen stark bei sehr tiefen Einkommen
- aber:
- im Mittelstand oft zu wenig
- kantonal sehr unterschiedlich
⚖️ „Degressive Besteuerung ab 300k“
Das ist nicht ganz falsch, aber verkürzt:
- Die direkten Steuern selbst bleiben progressiv
- Aber:
- durch Abzüge
- Steuerwettbewerb zwischen Kantonen
- unterschiedliche Einkommensarten (z. B. Kapital)
👉 kann die effektive Gesamtbelastung bei sehr hohen Einkommen flacher werden oder leicht sinken
➡️ Das ist ein komplexer Effekt, kein simples „Reiche zahlen weniger Steuern“
⚖️ „Unsozialstes System Europas“ 🌍
Das ist eher politische Rhetorik:
- Die Schweiz hat:
- relativ geringe Umverteilung
- aber auch:
- hohe Einkommen
- tiefe Arbeitslosigkeit
- gute Gesundheitsversorgung
👉 Ob das „unsozial“ ist, hängt stark von der Wertperspektive ab
Der zentrale Zielkonflikt
Eigentlich geht es um zwei Modelle:
Modell A: Mehr Umverteilung
- einkommensabhängige Krankenkassenprämien
- stärkere Progression
👉 Vorteil: sozialer Ausgleich
👉 Nachteil: weniger Anreize / politisch umstritten
Modell B: Eigenverantwortung + flache Abgaben
- Kopfprämien
- moderat progressive Steuern
👉 Vorteil: wirtschaftsfreundlich
👉 Nachteil: belastet Mittelstand stärker
Mein Fazit (neutral eingeordnet)
👉 Die Kombination aus
- progressiven Steuern
- aber regressiven Krankenkassenprämien
führt dazu, dass die Umverteilung in der Schweiz schwächer ist als oft angenommen.
Aber:
- Einige Aussagen sind bewusst zugespitzt
- Das System ist kein „Fehler“, sondern ein politischer Kompromiss
Kurz gesagt
👉 Ja:
Die Krankenkassenprämien „brechen“ tatsächlich teilweise die Steuerprogression.
👉 Aber:
Ob das ein Problem ist, hängt davon ab, wie viel Umverteilung man politisch will.
Die Situation ist kontrovers, ein echtes die Bevölkerung zunehmend belastenderes Problem, wir müssen es anpacken früher oder später könnte es sich sonst selbständig machen, womöglich in einer kleinen Revolution oder so…?
Was meinen Sie, ich bin gespannt auf Ihre Meinungen.
in der nächsten Folge… Untere und mittlere Einkommen real gesunken.
bis dann ….
Peter Bolli
zur Themen-Übersicht
Lesen Sie auch: Die Verteilung …… 📈💰 Teil 1