Die Schule in Eglisau – Früher und Heute

Die Schweiz hat kaum natürliche Bodenschätze wie Öl oder Gas. Deshalb ist Bildung einer der wichtigsten, wenn nicht gar der Wichtigste „Bodenschatz“ des Landes. Gut ausgebildete Menschen sichern den wirtschaftlichen Erfolg, fördern Innovation und machen die Schweiz international konkurrenzfähig.

Bildung stärkt zudem die Chancengleichheit und den sozialen Zusammenhalt. Sie hilft den Menschen, sich an neue Herausforderungen anzupassen und aktiv an Gesellschaft und Demokratie teilzunehmen.

Kurz gesagt:
Bildung ist für die Schweiz lebenswichtig, weil sie den Wohlstand, die Stabilität und die Zukunft des Landes sichert.

Früher die Schule in Eglisau

(Auszug aus «Geschichte der Brückenstadt am Rhein Eglisau» von Franz Lamprecht und Mario König erschienen im Chronos Verlag)
Auszug aus einer der besten geschichtlichen Dokumentationen zu Eglisau überhaupt, spanend zu lesen, einem Roman gleich fundiert abgestützt.
Erhältlich beim Ortsmuseum Weierbach oder bei der Gemeinde Eglisau.

Die ältestes zürcherische Ordnung für Landschulen stammt aus dem Jahr 1636. Sie ist ein Werk das damaligen Vorstehers der Zürcher Landeskirche, des Antistes J.J. Breitinger. In Eglisau wurde sie auf Anordnung des Landvogtes Heinriche Balber schon 1637 eingeführt. In thematischer Ordnung setzten die 17 Artikel des im Stadtbuch kopierten Dokumentes folgendes fest:
Der Schulmeister musste im eigenen Haus Schule halten; im Winter morgens von halb acht bis elf Uhr, im Sommer von sieben bis zehn Uhr, nachmittags im Winter und Sommer von zwölf bis drei oder vier Uhr. Samstagnachmittag war schulfrei. Predigte der Schulmeister am Sonntag, so fiel die Schule am Samstag aus, ebenso am Montagnachmittag, wenn er die Dienstagspredigt halten musste.

Zürcher Schulstube Mitte des 16. Jh.. Der Lehrer Unterrichtete etwa zwei dutzend grosse und kleine Kinder im Lesen und schreiben.
Die Schulstube in der Helferei zu Eglisau war niedrig, muffig und viel zu klein für die weit über 100 Schüler.

Die Besoldung war allein Sache des Rates von Eglisau; er hatte auch das Haus instand zu halten. Der Vogt sollte «die erforderliche Hilfshand bieten», wenn es an einem der beiden fehlte. Nur wenn die Eltern es wünschten, erhielten ihre Kinder Rechenunterricht, und sie mussten diesen extra bezahlen. Im Winter hatten die Schüler täglich ein «Schit Holz» zum Heizen mitzubringen.

Religiöse Unterweisung stand an erster Stelle. Alle Schulstunden mussten mit «flyssigen und ernstlichen» Gebeten begonnen und beendet werden. Ausserhalb der Kirche und der Schule habe der Schulmeister für züchtiges Verhalten der Schulkinder zu sorgen. Den alten Leuten, dem Pfarrer, der Obrigkeit sei gebührende Referenz zu erweisen. Mit der Rute sei zu strafen, wenn Klagen über Fluchen, Lügen, «Krämelen», Stehlen von Früchten und «was dergliglychen Fräfel» mehr einhergehen. Wenn das nicht helfe, müsse der Missetäter den Eltern, dem Pfarrer oder sogar dem Landvogt verzeigt werden.

Schulhaus und Schulstube

Die Schulstube befand sich an der Obergass in der sogenannten Helferei, die man 1683 erneuert hatte. Das alte Gebäude war vermutlich schon vor der Reformation errichtet und 1593 ausgebaut worden. Im ersten Stock wohnte der Schulmeister, im Erdgeschoss mussten die vielen Schüler in einem «niedrigen dunklen Gemach» unterrichtet werden. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass die Satzungen für die Landschulen von 1684 vorschrieben, « es soll auch der Schulmeister die Stuben alle Tage vor und nach Mittag mit Feuer von Recholteren (Wachholder) wohl beräuchern, den üblen Schulgeruch zu vertreiben. Nach der Teilung der Schule wurde ein zweites Schulzimmer, vorerst provisorisch, im Arsenal über dem Gemeindewaschhaus eingerichtet, dann in der Gemeindestube des Rathauses, gleich über dem Schlachtlokal. Da gab es willkommene Abwechslung im langweiligen Schulbetrieb. Die Sekundarschule wurde in der früheren Lehrerwohnung im ersten Stock des Helferei untergebracht.

Die «Helferei» das ehemalige Eglisauer Schulhaus. Bis 1877 war im ersten Stock noch die Sekundar-schule untergebracht

Als 1800 der Rhein die Kriegsfront zwischen Franzosen und Russen bildete und der Übergang über die zerstörte Brücke verwehrt war, richtete man in Seglingen eine separate Schule ein. Wegen der Einquartierung französischer Offiziere in der Helferei verlegte man die Stadtschule vorübergehend in Privathäuser. Die Interimsschule in Seglingen wurde 1802 wieder aufgehoben. Trotz bedenklicher Raumverhältnisse konnten sich die Eglisauer über Jahrzehnte hinweg nicht zum Bau eines neuen Schulhauses durchringen. Erst 1877 weihte sie das heute noch bestehende Schulhaus oberhalb der Kirche ein.

Anekdote eines von viele Schulmeisterschicksalen
(Kapitel 17 Die Schule als Magd der Kirche, Seite 179)

Diakon Hans Konrad Burkhard musste bis zu seinem Tod 26 Jahre lang in Eglisau ausharren, ohne eine Pfarrstelle zu erhalten. Schon im Frühling 1702 meldete er in den Visitationsakten, die Schule und der Schulstaub seien ihm verleidet. Er beklagte sich bitter darüber, dass ihm die Besoldung seines Adjunkten, eines Hutmachers von Seglingen, den Nidel von seiner Pfründe wegnehme. Wenn man schon im Wahn sei, er allein sei der Winterschule nicht gewachsen und nicht Manns genug, müsse er sich in höchstem Masse dafür wehren, dass der Adjunkt nicht von ihm zu besolden sei. 190 Kinder hatte Burkhard in der Winterschule zu unterrichten. Es überrascht nicht, dass unzufriedene Eltern ihre Kinder in andere Schulen der Landvogtei schickten. Der Rat von Eglisau untersagte das bei Busse. Abhilfe aber schaffte er nicht.
In den folgenden Jahren äussert sich Burkhard immer wieder den Wunsch, er möchte von der Schule auf eine Pfarrstelle versetzt werden, damit er nicht seiner Bürde erliege. Seinen Gesuchen wurde nicht entsprochen, ein Gehaltszuschuss wurde ihm verweigert. Erst der Tod erlöste ihn vom Schulstaub.

(Zitat Ende)

Vergleich / Heute

Über Jahrhunderte hinweg prägten Raumnot, Überlastung der Lehrpersonen und wechselnde Provisorien den Schulalltag in Eglisau. Erst spät konnten neue Schulräume geschaffen werden, oft unter dem Druck äusserer Umstände wie Kriegsereignissen oder wachsender Schülerzahlen. Die Schule war lange Zeit mehr Pflicht als pädagogischer Freiraum.

Unsere neues Sekundarschulhaus in Eglisau

Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild: Die moderne Schule Eglisau – mit ihrem neuen Sekundarschulhaus – steht für zeitgemässe Bildung, helle Lernräume und eine Pädagogik, die das Kind in den Mittelpunkt stellt. Wo früher Enge, Schulstaub und strenge Ordnung herrschten, prägen heute Offenheit, individuelle Förderung und gemeinsames Lernen den Schulalltag. Die lange Geschichte bleibt dabei nicht Ballast, sondern Fundament: Sie macht sichtbar, wie weit sich die Schule entwickelt hat – und wie sehr sich Eglisau stets den Herausforderungen seiner Zeit gestellt hat. Mit dem Projekt «PSE 2026+» (Projekt Schule Eglisau) wird das bewährte, die logisch konsequente Weiterentwicklung der Schule Eglisau in eine erfolgreiche Zukunft, weitergeführt.

Als eventuell gewählter Gemeinderat werde ich mich über die Ressortgrenzen hinaus, für eine fortschrittliche, moderne, den Ansprüchen der Lernenden, der Lehrpersonen und der Bevölkerung entsprechende Bildungspolitik in Eglisau einsetzen.

Peter Bolli / 28.01.2026

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