Teil 3
Untere und mittlere verfügbare Einkommen sind real gesunken
Die kargen Lohnjahre von 2016 bis 2024 zusammen mit den strak gestiegenen Krankenkassenprämien haben dazu geführt, dass viele Haushalte heute real nicht mehr Geld zur Verfügung haben. Nimmt man noch die Mieten und die Nebenkosten dazu, resultiert bei den unteren und mittleren Einkommen ein Minus, sie haben einen deutlichen Kaufkraftverlust erlitten auch weil die Löhne seit der Pandemie nicht an die Lebenshaltungskosten angepasst wurden. Bei den Topverdienern ging es hingegen weiter spürbar aufwärts.
Mehr Gewinn, tieferen Steuern und Sozialbeiträge bei den Firmen 📉
Gute Ertragslage und Margen 📈
Die Firmen könnten höhere Löhne zahlen, obwohl sie sich in der Öffentlichkeit immer wieder über die Geschäftslage beklagen. Sie haben eine gute Margensituation, wie die Befragungen durch die Nationalbank zeigen. Die Geschäftslage ist überdurchschnittlich und in fast allen Branchen besser als vor der Covid-19 Krise. Im Bau, im Detailhandel und im Gastgewerbe laufen die Geschäfte markant besser als in den Jahren bis 2019. Das ist ein Beleg dafür, dass die Firmen ihre Angestellten nur unvollständig am guten Geschäftsgang beteiligt haben.
Quelle SNB
Vom florierenden Geschäftsgang der letzten Jahre haben vor allem die Aktionäre der Firmen profitiert. Die Unternehmen schütten beispielsweise wesentlich mehr Dividenden aus als früher. Im Vergleich zur Lohnsumme haben die Dividenden- und Zinszahlungen spürbar zugenommen.
Tiefere Steuerbelastung der Firmen ⬇️
Steuerlich wurden die Firmen stark entlastet. Die Kantone haben mit der Steuervorlage STAF die Gewinnsteuersätze gesenkt und neue Steuerprivilegien eingeführt. Dank der Steuervorlage STAF zahlen die Firmen in den Kantonen und Gemeinden heute rund 2 Mrd. Fr. pro Jahr weniger Steuern. Das entspricht einer Steuersenkung von fast 20 Prozent.
Sinkende Sozialbeiträge der Arbeitgeber 💰
Auch bei den Sozialversicherungsbeiträgen müssen die Arbeitgeber weniger bezahlen. Die Beitragsätze an die Unfallversicherung, aber auch im BVG sind gesunken. In wenigen Jahren wird bei der Arbeitslosenversicherung eine weitere Beitragssenkung erwartet, weil die Arbeitslosigkeit tiefer ist und die Arbeitslosenversicherung Überschüsse macht. Mittelfristig könnten die Lohnbeiträge wieder leicht steigen, wenn sich das Parlament für eine Finanzierung der 13. AHV-Rente durch Lohnbeiträge entscheidet. Aber auch dann dürften die Sozialbeiträge für die Firmen nicht höher sein als heute.
Einkommens- und Vermögensverteilung insgesamt ⚠️
Für die grosse Mehrheit der Haushalte sind die Löhne die wichtigste Einkommensquelle. Ungefähr jeder zehnte Haushalt bezieht hingegen ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit. Weitere Einkommensquellen sind die Renten oder Erträge aus Kapitalbesitz.
Die Schweiz liegt bei der Einkommensungleichheit im europäischen Mittelfeld. Dennoch ist der Einkommensteil des obersten Prozents der Bevölkerung auch in der Schweiz gestiegen, seit den 1990er Jahren bis zur Finanzkrise um rund zwei Prozentpunkte. Seither schwankt der Anteil der Topeinkommen um 11 Prozent aller Einkommen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind vor allem die Löhne, aber auch Einkommen aus Kapital und selbständigem Erwerb, die bei den Topverdienern stärker gestiegen sind als in den restlichen Bevölkerung.
Die Reinvermögen sind seit 2010 deutlich gestiegen. Stark profitiert haben insbesondere Immobilienbesitzer. Der steile Anstieg der Immobilienpreise war ein bedeutender Treiber beim Vermögenszuwachs.
Reinvermögen der private Haushalte 📈💰
Vermögensanteile des reichsten Prozentes 💎
Das reichste Prozent der Bevölkerung hat heute einen Anteil an den Gesamtvermögen von rund einem Drittel. Das ist wesentlich mehr als noch vor 20 Jahren.
Die Steuerpolitik hat diese unsoziale Entwicklung noch gefördert, statt korrigiert. Die Vermögenssteuersätze wurden insbesondere in der Zeit vor 2010 in einem grossen Teil der Kantone gesenkt. Anstatt dass die früheren Vermögenssteuern wiederhergestellt werden, haben die Kantone wieder damit begonnen, die Vermögenssteuern weiter zu senken. So in Basel, Aargau oder in der Zentralschweiz.
Quelle: World Inequality Database
Fazit 💧
Zusammenfassend zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Während ein grosser Teil der Bevölkerung mit stagnierenden oder real sinkenden Einkommen konfrontiert ist, profitieren Unternehmen und vermögende Haushalte überproportional von der wirtschaftlichen Entwicklung. Steuersenkungen, sinkende Sozialbeiträge und steigende Gewinne haben die finanzielle Situation der Firmen verbessert – ohne dass diese Fortschritte in gleichem Masse bei den Löhnen angekommen sind.
Gleichzeitig verschärft sich die Vermögenskonzentration weiter, begünstigt durch steigende Immobilienpreise und eine Steuerpolitik, die hohe Vermögen zunehmend entlastet. Diese Entwicklung stellt nicht nur eine soziale Herausforderung dar, sondern wirft auch grundlegende Fragen zur Verteilungsgerechtigkeit und zur langfristigen Stabilität des wirtschaftlichen Systems auf.
Es braucht daher eine breitere Diskussion darüber, wie wirtschaftlicher Fortschritt künftig fairer verteilt werden kann – damit Wachstum und Wohlstand wieder der Mehrheit der Bevölkerung zugutekommen.
Was ist Ihre Meinung zum Thema?
Schreiben Sie mir im Blog ich bin gespannt auf Ihre Antworten
Grüsse
Peter Bolli
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Die Verteilung (Teil 1)
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