Teil 1
„Pflegende Angehörige“ sind derzeit in aller Munde. Medienberichte, politische Vorstösse und öffentliche Empörung prägen die Debatte. Doch bei aller Aufmerksamkeit drängt sich eine zentrale Frage auf:
Führen wir aktuell eine sachliche und verantwortungsvolle Diskussion – oder reagieren wir einmal mehr erst dann, wenn der Druck zu gross wird?
Ich bin froh, dass wir noch während meiner Amtszeit als Präsident der Spitex am Rhein gemeinsam mit dem Geschäftsführer das Projekt „Pflegende Angehörige“ lancieren konnten. Was damals als vorausschauender Schritt verstanden wurde, ist heute ein etabliertes Dienstleistungsangebot unserer Spitex. Nicht überraschend – sondern folgerichtig.
Ein bekanntes Problem – lange ignoriert
Spätestens seit dem Bundesgerichtsurteil von 2019 war für alle Fachpersonen klar: Dieses Urteil würde zu neuen Modellen in der Spitex-Landschaft führen, insbesondere im Bereich pflegender Angehöriger. Die Entwicklung war absehbar.
Was jedoch fehlte, waren:
- klare politische Vorgaben
- flankierende Massnahmen
- und verbindliche Regeln zur Abrechnung und Kontrolle
Mahnende Stimmen gab es. Gehandelt wurde nicht.
Empörung ersetzt keine Verantwortung
In den letzten Wochen und Tagen wurde viel berichtet – insbesondere über problematische Lohnexzesse, wie sie im Bericht der Geko ZH beschrieben wurden. Solche Auswüchse sind ohne Zweifel stossend und zu verurteilen.
Doch wer heute laut Empörung zeigt, sollte sich auch der Frage stellen, warum diese Entwicklungen überhaupt möglich wurden. Ursache und Wirkung werden in der aktuellen Debatte bewusst vermischt. Die politische Verantwortung der letzten Jahre bleibt dabei weitgehend unerwähnt.
Jetzt, Jahre später, werden markige Statements abgegeben. Das mag öffentlichkeitswirksam sein – ist aber wenig glaubwürdig.
Auch die Verbände tragen Verantwortung
Eine ehrliche Diskussion muss weiter gehen.
Wo war die Stimme des Spitex-Verbandes?
Wo waren die kantonalen Spitex-Verbände, als sich dieses neue Phänomen abzeichnete?
Wo waren die Gemeinden?
Wo war die Politik?
Noch heute gibt es Spitex-Vereine mit Leistungsvereinbarung, die dieses Angebot nicht anbieten. Gleichzeitig wird nun einseitig auf private Spitex-Unternehmen eingeschlagen. Das greift zu kurz und hilft niemandem.
Die Leidtragenden sind die Falschen
Diese Art der Debatte verunsichert vor allem jene, die eigentlich im Zentrum stehen sollten:
- pflegende Angehörige
- und Menschen, die auf Pflege angewiesen sind
Pauschale Kritik – teils berechtigt, teils polemisch – schafft kein Vertrauen. Sie verhindert sachliche Lösungen und schadet dem Pflegesystem insgesamt.
Agieren statt reagieren – meine politische Haltung
Die Diskussion um pflegende Angehörige ist exemplarisch für ein grundsätzliches politisches Problem:
Es wird zu oft reagiert – und zu selten agiert.
Diese Haltung prägt auch mein politisches Engagement als vielleicht gewählter zukünftiger Gemeinderat von Eglisau. In unserer Gemeinde haben wir mehrfach erlebt, was passiert, wenn politische Verantwortung nicht vorausschauend wahrgenommen wird. Exemplarisch sei hier die gesamte Geschichte rund um das „Kleeblatt“ genannt.
Mit fundierter Sachkenntnis, klarem politischen Willen und entschlossenem Handeln hätten tausende Franken an Steuergeldern eingespart werden können – zugunsten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Stattdessen wurde verzögert, reagiert und nachkorrigiert.
Klare Leitlinien für Eglisau
Ich stehe für eine klare politische Ausrichtung:
- einen sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit den finanziellen Mitteln unserer Gemeinde
- die Etablierung altersgerechter Angebote – für ältere Menschen ebenso wie für junge Menschen und Familien
- klare, transparente Verantwortlichkeiten innerhalb des Gemeinderates
Eglisau braucht keine Symbolpolitik, sondern Gestaltungswillen. Die Herausforderungen unserer Gemeinde lassen sich nur mit Weitsicht, Fachkenntnis und klarer Führung bewältigen.
Verantwortung heisst vorausdenken
Ob in der Gesundheitspolitik oder auf Gemeindeebene:
Wer Entwicklungen erkennt, muss handeln – nicht erst, wenn der Schaden eingetreten ist.
Ich stehe für eine Politik, die vorausschauend gestaltet, anstatt später zu moralisieren. Für Sachlichkeit statt Empörung. Und für Verantwortung gegenüber den Menschen – und gegenüber den öffentlichen Mitteln, die uns anvertraut sind.
Peter Bolli
PS: lesen Sie im nächsten Blog weiter, Teil 2 erscheint am 04.02.2026, bis dann, eine gute Zeit.
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