Jeweils 1% der befragten Einwohner/innen von Eglisau erachten den aktuellen Steuersatz als «viel zu tief» oder «eher tief».
20% empfinden den aktuellen Steuersatz als angemessen.
55% bewerten den Steuersatz als «eher zu hoch» und 24% als «viel zu hoch».
Die Aussage zusammengefasst:
79% empfinden den Steuersatz als zu hoch oder eher zu hoch.
21% als angemessen oder zu tief.
Haben die Abstimmenden 79% recht, ist der Steuersatz zu hoch, oder sind die 21% welche den Steuersatz angemessen finden auf der richtigen Spur?
Was sagt die Behörde und was die Definition?
Der Steuersatz in der Schweiz ist der (meist progressive) Prozentsatz bzw. Tarif, mit dem Bund, Kantone und Gemeinden die steuerbare Bemessungsgrundlage belasten; er ergibt sich häufig aus einem Steuertarif in Kombination mit Steuerfüssen.
Sieht ganz aus, als wäre die Beurteilung nicht einfach zu haben, wie es gewünscht wäre. Nehmen wir also an, der empfundene Steuersatz oder -fuss ist derjenige, welchen wir auf der Steuerrechnung finden. Die Gemeindesteuer Eglisau mit einem Steuerfuss von 113%. (politische Gemeinde + Schule ohne Kirche)
Zum Vergleich:
Der kantonale Durchschnitt aller Zürcher Gemeinden liegt bei einem Steuerfuss von rund 105.8 %
Mit 113 % liegt Eglisau also über dem kantonalen Durchschnitt
Genau genommen, auf Platz 104 von 160 Gemeinden im kantonalen Ranking
Vergleichen wir mit:
Neftenbach 102%
Niederglatt 106%
Winkel 76%
Glattfelden 120%
Ist der Steuerfuss zu hoch oder nicht?
Meine Antwort auf die Frage: die Empfindungen, das «Bauchgefühl», der Bevölkerung stimmt.
Warum?
- Der Steuerfuss in Eglisau ist seit über 8 Jahren bei 113%. Das suggeriert Stabilität, Kontinuität und Ausgewogenheit. Mit dem Steuersatz wurden jedes Jahr Überschüsse in Millionenhöhe erzielt (2020 – 1.3 Mio. / 2021 – 1.195 Mio. / 2022 – 360K / 2023 – 958K / 2024 – 884K, wohlverstanden, alle Kosten, Investitionen, Kredite und die finanziellen Verpflichtungen berücksichtigt)
- Wir konnten uns ein Sekundarschulhaus für 32 Mio. bauen den Sportplatz mit 1.2 Mio. sanieren und die Sanierung des Städtlischulhauses von 0.8 Mio. vorantreiben,
- Wir können die Sanierung der ARA verwirklichen (Die ARA ist ein eigenfinanzierter Betrieb der Gemeinde, wird aber durch von der Gemeinde aufgenommene Kredite vorfinanziert)
- den ganzen jährlichen Gemeinde-Haushalt finanzieren,
ohne die Steuern erhöhen zu müssen.
Zitat: (Finanzplan 2025-2029)
Die Selbstfinanzierung dürfte bei stabilem Steuerfuss Werte von 2 und 5 Mio. Franken erreichen, was einem vergleichsweise durchschnittlichen Niveau entspricht.
Und weiter: Die Schuldenobergrenze, festgesetzt auf 5000 Franken / Einwohner, wird mit Bruttoschulden im Jahr 2026 von ca. 4200 Franken / Einwohner sowie per Ende Planperiode von ca. 3400 Franken / Einwohner nicht überschritten. Die Schulden können ab 2027 kontinuierlich reduziert werden.
Im Klartext bedeutet das, dass Eglisau in 10 Jahren alle Schulden getilgt hätte. Und das nur aus den erzielten Überschüssen. Wir amortisieren die Kredite aber bereits über die Kreditverträge. Die Amortisationen sind in den Budgets genauso berücksichtigt, wie die dafür aufzubringenden Zinsen.
Der geneigte Leser bilde sich selbst ein Urteil. Haben wir einen zu hohen Steuerfuss?
und zusätzlich könnten wir:
viele Kosten reduzieren oder gar ganz vermeiden, wenn wir nur etwas mutiger wären, wenn wir etwas entscheidungsfreudiger wären oder wenn wir unseren eigenen Spezialisten mehr vertrauen würden.
Was für eine Behauptung! Fakten dazu?
bitte sehr:
Wir haben in den letzten Jahren immer mehr externe Berater zugezogen um uns nicht nur Schlau zu machen, nein auch deshalb, weil wir uns zu wenig zutrauen, weil wir unseren Spezialisten zu wenig vertrauen schenken, vielleicht weil wir uns zu wenig mit der Materie auseinandersetzen, oder weil wir Angst haben Fehler zu machen für welche wir eventuell die Verantwortung übernehmen müssten oder schlicht und einfach weil wir sie benötigten.
(Ausgaben für externe Beratung im Jahr 2022 – 371 236.15.- / im Jahr 2023 – 508 862.13.- / im Jahr 2024 – 599 032 51.-)
Hier würde sich genaueres hinschauen sicher bezahlt machen.
Wir könnten im Gesundheitswesen Kosten verhindern, würden wir z.Bsp. die integrierte Versorgung mit Elan und Weitsicht schnell und konsequent angehen. Im Bereich Gesundheitsversorgung ist es möglich mehrere 100K an Kosten pro Jahr zu verhindern. Erwähnt werden muss, dass ein Projekt wie die integrierte Versorgung bis zur Umsetzung auch finanzielle Mittel und externe Beratung benötigen würde.
Es empfiehlt sich, die integrierte Versorgung so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen.
Die eigenfinanzierten Betriebe der Gemeinde z.Bsp. AZW, Abwasser, Kanalisation, Frischwasser usw. müssten in die Autonomie entlassen werden z. Bsp. durch Umwandlung in eine gemeinnützige AG oder ähnlich, welche zu 100% im Besitz der Gemeinde wäre. Dadurch würde ihre Handlungsfähigkeit erhöht. Die verbesserte Fach- und Handlungskompetenzen, aber auch die Verantwortung, die Finanz- und Investitionskompetenzen in Eigenregie wahrnehmen zu können, würde die Organisationen an den Märkten besser platzieren. Entscheidungen würden schneller, effizienter und schlagkräftiger umgesetzt werden können, was wiederum die Kosten-Nutzenrechnung der Betriebe, aber auch das Arbeitsumfeld der Mitarbeitenden, markant verbessern würde.
Und nicht zuletzt könnte die Digitalisierung der Organisation, die KI-Unterstützung in der Verwaltung und die Datenverarbeitung schneller den modernen Anforderungen angepasst werden. Das würde im Vorfeld mit Investitionen verbunden sein, sich aber in der Zukunft positiv auf die Kosten auswirken.
Was müssten wir tun um schlagkräftiger zu werden?
Wir müssten das heutige Gemeindeführungsmodell entsprechend überarbeiten.
Mit dem heute angewandten Gemeindeführungsmodell haben wir 4 Jahre Erfahrungen gesammelt. Wir haben erkannt, dass das Gemeindeführungsmodell viel zu verflochten ist und schnelle Entscheidungen sehr schwierig zu erreichen sind. Mit dem heutigen Modell sind zu viele Mitsprecher im Boot. Deshalb kann die Verwaltung und der Gemeinderat nicht mit der bestmöglichen Effizienz und Wirtschaftlichkeit am Werk sein und wird zu sehr mit der Organisation im Inneren beschäftig. (Die Bevölkerung wünscht sich mehr gehört zu werden, kommt der «Umstände» wegen aber nicht an die relevanten Ohren)
Das heutige Gemeindeführungsmodell ist deshalb für die Zukunft nur eingeschränkt tauglich.
Die Überarbeitung des Gemeindeführungsmodells würde Zeit benötigen. Würde der Gemeinderat sich entschliessen, das Modell anzupassen, würde es geschätzt frühestens in 4 Jahren einsatzbereit sein.
Meine Empfehlung: der neue Gemeinderat sollte sich möglichst schnell ernsthafte Gedanken dazu machen.
Und jetzt?
Aus meiner Sicht, können wir mit 113% Steuerfuss gut leben, besser aber wäre es die vorhandenen Mittel konsequent dort einzusetzen, wo sie unserer Bevölkerung am meisten nützen. Die Kosten reduzieren, wo die Wirkung und der Handlungsbedarf am grössten ist.
Bekannte Persönlichkeiten aus der Finanzverantwortung der Gemeinde, sind der Meinung man sollte sich, angesichts der oben aufgeführten Zahlen (alle Zahlen und Daten in diesem Beitrag wurden aus öffentlich zur Einsicht stehenden Dokumenten der Gemeinde ausgezogen) über eine Steuerfussreduktion Gedanken machen.
Was ist Ihre Meinung dazu?
Antworten Sie mir auf meinem Blog: https://petersblog.ch oder per Mail über peter-bolli@bluewin.ch
In diesem Sinne, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr, bleiben Sie gesund.
Peter Bolli 17.12.2025