Des Volkes Obolus – oder – das Scherflein zuviel?

Zu viel bezahlte Steuern – wenn Überschüsse zur Belastung werden!

Vorwort

Steuern sind der Preis, den wir für ein funktionierendes Gemeinwesen bezahlen. Sie ermöglichen uns Schulen, soziale Sicherheit, öffentliche Infrastruktur, eine zuverlässige Verwaltung und viele weitere Leistungen, auf die unsere Gesellschaft angewiesen ist, zu betreiben, zu unterhalten und auszubauen. Wer staatliche Aufgaben erwartet, muss deshalb auch bereit sein zu deren Finanzierung beizutragen.

Doch diese Bereitschaft beruht auf einem grundlegenden Vertrauen: Die Bevölkerung muss darauf vertrauen können, dass ihre Steuergelder verantwortungsvoll eingesetzt werden und dass der Staat nicht mehr Gelder einzieht als er für seine Aufgaben, seine geplanten Investitionen und angemessene Reserven tatsächlich benötigt.

Genau hier beginnt die politische Diskussion.

Wenn Gemeinden und Kantone ihre Rechnungen wiederholt mit hohen Überschüssen abschliessen, wird dies meistens als Zeichen einer erfolgreichen Finanzpolitik dargestellt. Eine solide Finanzlage ist zweifellos erfreulich. Sie schafft Sicherheit, ermöglicht Investitionen und schützt vor unerwarteten Belastungen. Trotzdem darf ein Überschuss nicht allein aufgrund seiner Höhe als Erfolg gelten.

Das Bild ist aus dem Berichtstext mit KI generiert / PBo

Denn jeder Franken, der in einer Staats- oder Gemeinderechnung übrig bleibt, wurde zuvor von der Bevölkerung und den Unternehmen erwirtschaftet. Er fehlt den Familien im Haushaltsbudget, den Gewerbebetrieben bei ihren Investitionen und den Unternehmen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen. Besonders für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen können auch scheinbar geringe Belastungen einen spürbaren Unterschied ausmachen.

Ein einzelner Überschuss beweist noch nicht, dass die Steuern zu hoch angesetzt sind. Einnahmen schwanken, Ausgaben können sich verzögern und ausserordentliche Entwicklungen lassen sich nicht immer zuverlässig voraussehen. Wenn die Rechnungen jedoch über Jahre hinweg wesentlich besser abschliessen als budgetiert und gleichzeitig immer neue Reserven entstehen, muss die Frage erlaubt sein: Zahlen die Menschen möglicherweise mehr Steuern, als zur Erfüllung der öffentlichen Aufgaben notwendig wäre?

Die folgende Betrachtung richtet sich deshalb nicht gegen Steuern und ebenso wenig gegen einen handlungsfähigen Staat. Sie richtet sich gegen eine Finanzpolitik, die hohe Überschüsse automatisch als Erfolg feiert, ohne ausreichend zu fragen, welchen Verzicht diese Überschüsse bei den Steuerzahlenden verursacht haben.

Eine verantwortungsvolle Finanzpolitik muss beides gewährleisten: einen Staat, der seine Aufgaben zuverlässig erfüllen kann, und eine Bevölkerung, die nicht stärker belastet wird als nötig. Finanzielle Vorsicht ist wichtig. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass die öffentliche Hand ohne konkreten Bedarf immer mehr Mittel ansammelt, während Haushalte und Unternehmen mit steigenden Kosten kämpfen.

Steuergelder sind kein Eigentum der Behörden. Sie sind ihnen anvertraute Mittel, sie sind ein grosser Teil des Volksvermögens. Daraus entsteht die Verpflichtung, sorgfältig damit umzugehen – nicht nur bei ihrer Verwendung, sondern bereits bei ihrer Erhebung.

Zu viel bezahlte Steuern

Der Bund, die Kantone und die Gemeinden ziehen regelmässig mehr Geld ein, als sie nach Ihren eigenen Budgets wirklich benötigen.

Wie schon gesagt; Steuern sind notwendig. Sie finanzieren Schulen, Sicherheit, soziale Leistungen, Infrastruktur und eine funktionierende Verwaltung. Steuern sind einer der Grundpfeiler, ein «gerechter» Verteiler, zur Erhaltung und Sicherung unseres Wohlstandes. Die Bevölkerung darf deshalb erwarten, dass die öffentliche Hand genügend Mittel erhält um ihre Aufgaben zuverlässig und vorausschauend zu erfüllen.

Ebenso selbstverständlich sollte jedoch gelten: Der Staat soll nicht mehr Geld einziehen, als er für seine Aufgaben, geplante Investitionen und angemessene Reserven benötigt. Denn die Steuergelder gehören nicht den Behörden. Sie werden ihnen von der Bevölkerung und den Unternehmen zur Erfüllung eines klaren Auftrags anvertraut.

Ein einzelner Rechnungsüberschuss ist noch kein Beweis für zu hohe Steuern. Einnahmen können stärker ausfallen als erwartet, Ausgaben können sich verzögern und Grundstückgewinnsteuern oder Unternehmenssteuern erheblich schwanken. Auch Reserven für künftige Investitionen und wirtschaftlich schwierigere Jahre sind sinnvoll.

Problematisch wird es jedoch, wenn Gemeinden oder die Kantone regelmässig deutlich höhere Überschüsse erzielen als budgetiert, während Steuerentlastungen mit dem Hinweis auf angeblich unsichere Zeiten verweigert werden. Dann stellt sich die berechtigte Frage, ob die Steuerbelastung noch dem tatsächlichen Finanzbedarf entspricht.
Urteilen Sie selbst!

Finanzdefizite / Finanzüberschüsse
Bund202320242025
Bundeshaushalt Erfolgsrechnung– 670 Mio. CHF800 Mio. CHF300 Mio. CHF
Kanton Zürich202320242025
Jahresergebnis Erfolgsrechnung-2 Mio. CHF150 Mio. CHF727 Mio. CHF
Gemeinden (konsolidiert)202320242025
Gemeinden mit Ertragsüberschuss137141n.v.
Gemeinden mit Aufwandüberschuss2319n.v.
Ausgewertete Gemeinden160160n.v.
Median CHF/Einwohner392 CHF/Einwohner422 CHF / Einwohnern.v.
Amtlicher Datenstandvollständigvollständignoch nicht vollständig veröffentl.

Hinweis: Die amtliche Zürcher Vergleichsstatistik weist das Jahresbeginns der konsolidierten Gemeinden in Franken pro Einwohner aus. Die absoluten Gemeindebeträge in dieser Tabelle sind deshalb Näherungen (Pro-Kopf-Wert x zivilrechtliche Wohnbevölkerung am 31. Dezember). Für 2025 waren am 26.August 2026 noch keine vollständigen konsolidierten Gemeindedaten publiziert.

Finanzergebnis Gemeinden202320242025Total pro Gemeinde
Ertragsüberschuss2023 – 2024 / 2025
Eglisau959 310881 9582 300 4124 141 680
Hüntwangen362 3161 225 280n.v.1 587 596
Wil893 592837 846n.v.1 731 438
Wasterkingen418 325128 402n.v.546 727
Rafz2 302 3882 572 874n.v.4 875 262
Glattfelden3 653 7752 168 166n.v. 5 821 941
Total der Gemeinden oben8 589 7067 814 5262 300 41218 704 644
Total aller 160 Zürcher Gem.749 177 7441 107 886 295n.v.1 857 064 039

Quellen, Definitionen und Datenstand
Gemeindeergebnis 2023/2024 Amt für Statistik und Daten Kanton Zürich https://opendata.swiss/de/dataset/ertrags-aufwanduberschuss-fr-einw Konsolidierte Gemeinde; Schulgemeinden anteilsmässig umgelegt; Einheit CHF/Einw.
Bevölkerung 2023–2025 Amt für Statistik und Daten Kanton Zürich https://opendata.swiss/de/dataset/bevolkerungsbestand-ab-1962 Zivilrechtliche Wohnbevölkerung am Jahresende; aktueller Gebietsstand.
Kantonsrechnung 2023 Kanton Zürich https://www.zh.ch/de/news-uebersicht/medienmitteilungen/2024/04/regierungsrat-veroeffentlicht-geschaeftsbericht-2023.html Aufwandüberschuss 2 Mio. CHF.
Kantonsrechnung 2024 Kanton Zürich https://www.zh.ch/bin/zhweb/publish/regierungsratsbeschluss-unterlagen./2025/392/6017_Genehmigung_GB-2024.pdf Ertragsüberschuss 150 Mio. CHF.
Kantonsrechnung 2025 Kanton Zürich https://www.zh.ch/de/steuern-finanzen/kantonsfinanzen/geschaeftsbericht-rechnung/geschaeftsbericht-2025/finanzen-im-ueberblick.html Ertragsüberschuss 727 Mio. CHF.

Die oben ausgewählten Gemeindedaten sind ein Auszug aus der Statistik Finanzüberschüsse Zürcher Gemeinden 2023 / 2024 / 2025.
Die Vollständige Liste mit der Daten aller 160 Zürcher Gemeinden können Sie unten einsehen und/oder herunterladen.

Lesen Sie dazu auch: Ist der Steuerfuss in Eglisau zu hoch?
((Der Steuerfuss in Eglisau ist seit über 8 Jahren bei 113%. Das suggeriert Stabilität, Kontinuität und Ausgewogenheit. Mit dem Steuersatz wurden jedes Jahr Überschüsse z.T. in Millionenhöhe erzielt (2020 – 1.3 Mio. / 2021 – 1.195 Mio. / 2022 – 360K / 2023 – 958K / 2024 – 884K / 2025 – 2.3 Mio., wohlverstanden, alle Kosten, Investitionen, Kredite und die finanziellen Verpflichtungen berücksichtigt))

Jeder staatliche Überschuss wurde zuerst erwirtschaftet

Ein Überschuss entsteht nicht aus dem Nichts. Das Geld wurde zuvor von Privatpersonen und Unternehmen erarbeitet und über Steuern an den Staat abgeführt. Bleibt es dauerhaft in den öffentlichen Kassen liegen, fehlt es an anderer Stelle:

  • den Haushalten für Konsum, Wohnen oder persönliche Vorsorge,
  • den Familien für Ausbildung und Betreuung,
  • den Gewerbebetrieben für Investitionen und neue Arbeitsplätze,
  • den Unternehmen für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

Was der Staat ohne konkreten Bedarf abschöpft, kann in der privaten Wirtschaft nicht mehr ausgegeben oder investiert werden. Wiederkehrende, strukturell zu hohe Überschüsse können deshalb die regionale Wirtschaft schwächen – besonders dann, wenn gleichzeitig Kaufkraft, Gewerbe und Mittelstand unter steigenden Kosten leiden.

Das Bild ist aus dem Berichtstext mit KI generiert / PBo

Besonders belastend für Menschen mit kleinen Einkommen

Die Einkommenssteuer ist zwar progressiv ausgestaltet. Personen mit sehr tiefen Einkommen bezahlen deshalb wenig oder teilweise keine direkte Staats- und Gemeindesteuer. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass sie von einer zu hohen staatlichen Belastung nicht betroffen wären.

Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen verfügen kaum über finanzielle Reserven. Bereits wenige hundert Franken weniger im Portemonnaie pro Jahr können darüber entscheiden ob eine unerwartete Rechnung bezahlt, eine notwendige Anschaffung gemacht oder etwas für das Alter zurückgelegt werden kann. Hinzu kommen Gebühren, Abgaben, Krankenkassenprämien und weitere staatlich beeinflusste Kosten, die nicht immer nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit abgestuft sind.

Auch Unternehmen geben einen Teil ihrer steuerlichen Belastung weiter – über Preise, tiefere Lohnspielräume oder zurückhaltende Investitionen. Die Folgen treffen letztlich häufig jene besonders stark, die bereits jeden Franken sorgfältig einteilen müssen.

Wer mehr Steuern einzieht als notwendig, belastet deshalb nicht nur Vermögende. Er schwächt die Kaufkraft der gesamten Bevölkerung und trifft Menschen mit kleinen finanziellen Spielräumen besonders empfindlich.

Sparsamkeit ist keine Verweigerung staatlicher Aufgaben

Die Forderung nach einer angemessenen Steuerbelastung bedeutet nicht, öffentliche Leistungen abzubauen oder notwendige Investitionen zu verhindern. Eine verantwortungsvolle Finanzpolitik muss langfristig denken, Schulden vermeiden und für erkennbare Risiken vorsorgen.

Reserven benötigen jedoch einen nachvollziehbaren Zweck. Ein hoher Kontostand allein ist noch keine politische Leistung. Behörden sollten erklären können:

  • Welche Reserven werden für welche Vorhaben benötigt?
  • Welche Investitionen sind konkret geplant?
  • Welche Risiken sollen abgesichert werden?
  • Wie hoch muss der notwendige finanzielle Spielraum tatsächlich sein?
  • Ab wann ist eine Steuersenkung oder Rückerstattung vertretbar?
  • Wann werden laufende Projektkredite abgeschlossen und welche Kosten haben sie tatsächlich verursacht?

Fehlen konkrete Antworten darf das Vorsorgeargument nicht zu einem Freipass für unbegrenzte Überschüsse werden. Eine Verwaltung hat nicht die Aufgabe, möglichst viel Geld anzusammeln, sondern die öffentlichen Aufgaben wirksam, wirtschaftlich und mit einer verhältnismässigen Belastung der Bevölkerung zu erfüllen. Grundsätzlich sind Bund, Kantone, Gemeinden und deren Unterorganisationen sogenannte «Nonprofit-Organisationen. Dazu gehören auch die im Auftrag und unter der Aufsicht der Gemeinden tätigen «eigenwirtschaftlichen Betriebe». Sie dürften laut Definition keine Gewinne erzielen.

Dauerhafte Überschüsse verlangen politische Konsequenzen

Wenn Rechnungen über mehrere Jahre wesentlich besser abschliessen als budgetiert, sollte nicht jedes Mal lediglich von einem erfreulichen Ergebnis gesprochen werden. Wiederholte Abweichungen können auch darauf hindeuten, dass Einnahmen systematisch zu vorsichtig und/oder Ausgaben zu grosszügig budgetiert werden.

In diesem Fall sind Konsequenzen, also Massnahmen, angebracht:

  • realistischere und transparentere Budgets,
  • eine Überprüfung des Steuerfusses,
  • gezielte Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen,
  • die Senkung unverhältnismässiger Gebühren,
  • oder klar ausgewiesene Investitionen, von denen die Bevölkerung nachhaltig profitiert.
  • laufende Projektkredite müssen kontrolliert, verwaltet und eingehalten werden.

Behörden dürfen, nach bestimmten Regeln, Reserven bilden. Sie dürfen aber nicht ohne erkennbare Not dauerhaft Geld zurückhalten das sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben nicht unmittelbar benötigen.

Der Staat soll dienen – nicht horten

Eine solide Finanzlage ist erfreulich. Sie schafft Handlungsspielraum und schützt vor Krisen. Doch aus finanziellen Sicherheitsüberlegungen darf keine Gewohnheit entstehen der Bevölkerung vorsorglich immer mehr Steuergelder abzuverlangen als wirklich benötigt werden.

Zu viel bezahlte Steuern sind kein Geschenk an den Staat. Sie sind Kaufkraft, Lebensqualität und wirtschaftliche Möglichkeiten auf welche die Steuerzahlenden verzichten müssen.

Wo sich hohe Überschüsse wiederholen und keine entsprechenden Investitionen oder Risiken erkennbar sind, ist eine Entlastung der Steuerzahler keine Gefälligkeit der Behörden. Sie ist Ausdruck einer fairen, massvollen und verantwortungsbewussten Finanzpolitik.

Denn der Staat hat das Recht und die Pflicht die für seine Aufgaben notwendigen Mittel einzuziehen. Er hat aber keinen Anspruch darauf, die Bevölkerung ohne konkrete Not stärker zu belasten als erforderlich.

Resümee

Steuern sind ein unverzichtbarer Beitrag an unser Gemeinwesen. Sie ermöglichen Leistungen, von denen wir alle profitieren und schaffen jene gesellschaftliche Stabilität, ohne die weder soziale Sicherheit noch wirtschaftlicher Wohlstand möglich wären. Eine verantwortungsvolle Steuerpolitik darf deshalb nicht allein danach beurteilt werden wie tief die Steuern sind.

Sie muss aber danach beurteilt werden, ob die erhobenen Mittel tatsächlich benötigt werden.

Ein Überschuss kann Ausdruck sorgfältiger Haushaltsführung sein. Er kann aus unerwartet hohen Einnahmen, verzögerten Investitionen oder tieferen Ausgaben entstehen. Wiederholen sich jedoch hohe Überschüsse über mehrere Jahre, während Budgets regelmässig zu pessimistisch ausfallen, verliert diese Erklärung an Überzeugungskraft. Dann besteht der Verdacht, dass die Bevölkerung dauerhaft stärker belastet wird, als es für die Erfüllung der öffentlichen Aufgaben erforderlich wäre.

Dabei darf nicht vergessen werden: Jeder staatliche Überschuss ist zunächst ein Verzicht der Steuerzahlenden. Das Geld fehlt im Haushaltsbudget, bei der privaten Vorsorge, im örtlichen Gewerbe und bei unternehmerischen Investitionen. Der Staat wird finanziell stärker, während Haushalte und Unternehmen über weniger Spielraum verfügen.

Das Bild ist aus dem Berichtstext mit KI generiert / PBo

Besonders einschneidend ist dies für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Wer kaum Reserven besitzt, spürt jede zusätzliche Belastung unmittelbar. Eine Finanzpolitik, die ohne konkrete Not immer neue Überschüsse anhäuft riskiert deshalb jene besonders zu treffen die ohnehin Mühe haben mit ihrem Einkommen den Alltag zu bestreiten.

Das bedeutet nicht, dass sämtliche Überschüsse sofort verteilt oder Steuern bei jeder positiven Rechnung gesenkt werden sollten. Bund, Gemeinden und Kantone benötigen Reserven, um Krisen zu bewältigen, Investitionen zu finanzieren und ihre Aufgaben langfristig erfüllen zu können. Doch Reserven brauchen ein nachvollziehbares Mass und einen erkennbaren Zweck. Vorsicht darf nicht zur bequemen Dauerbegründung für immer höhere finanzielle Polster werden.

Eine glaubwürdige Finanzpolitik legt deshalb offen, wie viel Geld für welche Aufgaben benötigt wird. Sie budgetiert realistisch, erklärt Abweichungen und überprüft regelmässig, ob Steuerfüsse und Gebühren noch angemessen sind. Entstehen dauerhaft finanzielle Spielräume, müssen diese der Bevölkerung zugutekommen – durch notwendige Investitionen, bessere Leistungen, gezielte Entlastungen oder tiefere Abgaben.

Denn eine gute Staatsrechnung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass möglichst viel Geld übrig bleibt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die öffentlichen Aufgaben zuverlässig erfüllt werden, ohne die Bevölkerung stärker als notwendig zu belasten.

Ein finanziell gesunder Staat / Kanton und Gemeinde ist wichtig. Doch ebenso wichtig sind finanziell gesunde Haushalte und Unternehmen. Nachhaltige Finanzpolitik muss deshalb ein Gleichgewicht schaffen: zwischen Vorsorge und Entlastung, zwischen staatlicher Handlungsfähigkeit und privater Freiheit, zwischen dem berechtigten Finanzbedarf der öffentlichen Hand und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Menschen.

Steuergelder sind den Behörden anvertrautes Geld. Mit diesem Vertrauen verantwortungsvoll umzugehen bedeutet nicht nur, Verschwendung zu vermeiden. Es bedeutet auch, rechtzeitig zu erkennen, wann genug tatsächlich genug ist.

In diesem Sinne, habt alle eine gute Zeit, lasst es Euch gut gehen und habt immer nette Leute um Euch.

Peter Bolli

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