Manchmal zeigt sich Ungleichheit nicht dort, wo Gesetze geschrieben werden. Nicht in Reglementen, Verordnungen oder Leitbildern. Sondern in den kleinen Dingen des Alltags. In der Geschwindigkeit einer Antwort. Im offenen Ohr für ein Anliegen. Im Gewicht, das einer Stimme beigemessen wird.
Alle Einwohnerinnen und Einwohner einer Gemeinde sind gleich. So steht es sinngemäss im Verständnis unseres demokratischen Zusammenlebens. Alle bezahlen Steuern. Alle haben Rechte. Alle dürfen Anliegen einbringen. Alle dürfen erwarten, dass ihre Anliegen gehört werden.
Und doch entsteht bisweilen der Eindruck, dass manche gleicher sind als andere.
Die Einen
Im Mitteilungsblatt Nr. 6/26 auf der Seite 5 unter der Rubrik Gemeinderat – Verhandlungsauszug steht im ersten Absatz folgender Text:
«Zitat»

Der Parkverkehr im Städtli nimmt während der Sommermonate stetig zu. Bei einem Austausch zwischen Vertretern der IG Städtli (Kerngruppe «Weniger Parksuchverkehr – mehr Lebensqualität für Eglisau») und der Gemeinde Eglisau sowie der Stadtpolizei Bülach im März 2026 wurden mögliche Massnahmen zu dessen Unterbindung geprüft. Dabei stellte sich eine physische Barriere (Schranke) als wirksamste Massnahme zur Durchsetzung des Fahrverbotes heraus. Der Gemeinderat hat für den Kauf einer elektronischen, solarbetriebenen Torschranke für das Fahrverbot Untergass/Rheinstrasse einen Kredit von 16 000.- Sfr. genehmigt.
So weit, so gut……
Die Anderen
Am 03.11.2025 wurde von Frau Sonja Bolli ein Antrag an die Gemeinde gestellt, der wie folgt lautete:
Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte
Antrag:
Hiermit stellen wir den Antrag, die Zufahrt in die Schlossstrasse aus der Zürcherstrasse in Richtung Lochmühle zu schliessen / sperren.
Begründung:
Trotz des allg. Fahrverbotes (Zubringer gestattet) fahren tägl. bis zu 20 Autos von Nichtanwohnenden oder Besuchern die Schlossstrasse hinunter zur Lochmühle. In den Sommermonaten nimmt diese Zahl nochmals um 150% zu.
Des Weiteren wird auch das Verbot komplett missachtet, von unten nach oben in die Zürcherstrasse hineinzufahren. Hierfür stehen die Autos zum Teil 5 Minuten und länger auf dem Radweg und versperren für Velofahrer und Fussgänger den Weg. Sie können nicht nach rechts abbiegen, da dies technisch nicht möglich ist, ohne die Sicherheitslinie zu überfahren. Da dies praktisch unmöglich ist, fahren die Autos dann Richtung Bülach auf die Zürcherstrasse über die ausgezogene Sicherheitslinie. Täglich hören wir deswegen quietschende Reifen und das Hupen von Autofahrern, welche aus diesen Gründen in der nicht sehr übersichtlichen Kurve der Zürcherstrasse bremsen müssen, um eine Kollision zu verhindern.
Vorschlag:
Wir können uns sehr gut vorstellen, dass in die Mitte oben an der Schlossstrasse ein grosser Blumentopf oder ähnliches platziert wird. Dies ermöglicht weiterhin den Zugang für Fussgänger in beide Richtungen, verunmöglicht jedoch eine Ein- und Ausfahrt mit einem Auto.
Der Zugang zu allen Liegenschaften an der Schlossstrasse bliebe weiterhin für sämtliche Fahrzeuge via Lochmühle gewährt.
Wir bitten Sie, unseren Antrag wohlwollenden zu prüfen und bedanken uns im Voraus für Ihr Feedback.
Freundliche Grüsse
Sonja und Peter Bolli und Anwohner Schlosstrasse
8193 Eglisau
Keine Antwort der zuständigen Behörden
Am 01.04.2026, 5 Monate nach der Antragsstellung und 4 Monate nach dem persönlichen Gespräch mit dem zuständigen verantwortlichen Nando Oberli verfasste Sonja Bolli ein E-Mail mit folgendem Wortlaut an die zuständigen Stellen:
Von: Sonja Bolli <sonja-bolli@bluewin.ch>
Gesendet: Mittwoch, 1. April 2026 10:12
An: ‚Info Gemeindeverwaltung Eglisau‘ <Info@Eglisau.ch>
Betreff: Antrag vom 05.11.2025
Beilage Antrag vom 05.11.2025
Sehr geehrte Damen und Herren
Am 05.11.2025 haben wir persönlich unseren Antrag zur Schliessung der Schlossstrasse abgeben und den Erhalt bestätigen lassen.
An der Gemeindeversammlung vom 02.12.2025 haben wir Nando Oberli darauf angesprochen. Er hat uns versichert, sich in den nächsten Tagen darum zu kümmern. Nun sind 5 Monate vergangen und wir haben noch immer keinerlei Reaktion seitens der Gemeinde/Gemeinderats erhalten.
Es mutet sehr befremdlich an, hat doch der Gemeindepräsident just an jener Gemeindeversammlung bekräftigt, dass der Gemeinderat die Anliegen der Bevölkerung sehr ernst nehme. Es ist nicht das erste mal, dass sich der Gemeinderat NICHT um solche Anliegen kümmert.
Wir erwarten gerne in den nächsten Tagen eine Antwort.
Freundliche Grüsse
Sonja Bolli
Schlossstrasse 1
8193 Eglisau
Keine Antwort der zuständigen Behörden
Wir warten bis Heute auf eine Antwort der zuständigen Behörden, des zuständigen Gemeinderates zum Antrag.
Nicht, dass wir nur gewartet hätten, – nein. Wie erwähnt, hatten wir an der Gemeindeversammlung vom Dezember 2025 den zuständigen Gemeinderat Nando Oberli in einem Zwiegespräch auf unseren Antrag hingewiesen. Antwort: Ich war eben noch für ein paar Wochen im Militär, werde mich aber in den nächsten Wochen darum kümmern. Ihr bekommt zeitnah eine Antwort von mir.
Aus den nächsten paar Wochen, sind unterdessen deren 26 geworden. Es konnte sich weder Herr Gemeinderat Oberli noch der Gesamtgemeinderat, noch der Boss des Gemeinderates als Führungsperson, noch das Sekretariat mit unserem Antrag befassen.
Ja, – wir haben eine mündliche Eingangsbestätigung bei der Abgabe des Antrages am Schalter der Gemeinde erhalten. Auch einen Eingangsstempel des Sekretariats auf der Kopie unseres Antrages haben wir bekommen. Auf eine mündliche oder besser schriftliche Stellungnahme warten wir noch heute.
Nun denn: Während die «Einen» im März 2026 zusammensitzen und schwupp, von der Gemeinde eine Schranke finanziert bekommen, haben die «Anderen» noch nicht einmal eine schriftliche Stellungnahme auf ihren im November 2025 eigereichten Antragen erhalten.
Also im Klartext: die «Einen» gelangen im März an den Gemeinderat und bekommen im Juni ihre Lösung finanziert, Zeitspanne max. rund 14 Wochen, da haben die «Anderen» von der Gemeinde, nach 32 Wochen, noch nichts gehört. Und dies trotz mehrmaligem mündlichem und schriftlichem Nachfragen bei den zuständigen Stellen.
Dabei geht es nicht um die Schranke. Es geht auch nicht um die Frage, ob die vorgeschlagene Massnahme an der Schlossstrasse richtig oder falsch ist. Darüber kann und darf man unterschiedlicher Meinung sein. Es geht um etwas Grundsätzlicheres. Es geht um den Umgang mit Menschen.
Wer ein Anliegen an die Gemeinde richtet, hat Anspruch auf eine Antwort. Nicht auf Zustimmung. Nicht auf eine Bewilligung. Aber auf eine Antwort.
Denn Respekt beginnt nicht mit dem Ja. Respekt beginnt mit dem Zuhören.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, weshalb die Einen eine Schranke erhalten haben.
Die Frage lautet vielmehr, weshalb die Anderen nicht einmal erfahren, was mit ihrem Antrag geschehen ist.
Vielleicht gibt es für all dies nachvollziehbare Gründe. Vielleicht gibt es sachliche Erklärungen. Vielleicht ist alles nur ein unglücklicher Zufall.
Doch Demokratie lebt nicht allein von korrekten Entscheiden. Sie lebt vom Vertrauen in die Fairness der Verfahren. Und Vertrauen ist ein empfindliches Gut.
Es entsteht dort, wo alle gleich behandelt werden. Es schwindet dort, wo der Eindruck entsteht, dass Beziehungen schneller wirken als Eingaben, persönliche Nähe mehr zählt als schriftliche Anträge oder gewisse Anliegen leichter ihren Weg durch die Amtsstuben finden als andere.
Die Einen.

Die Anderen.
Zwei Begriffe, die es in einer Gemeinde eigentlich gar nicht geben dürfte. Denn eine Gemeinde ist keine Gesellschaft der Privilegierten und der Wartenden. Sie ist eine Gemeinschaft von Gleichen. Und gerade deshalb fällt es auf, wenn die Gleichen ungleich behandelt werden. Das ist die eigentliche Ungleichheit der Gleichen. Sie lässt sich nicht messen. Sie lässt sich nicht verordnen. Aber man spürt sie. Wie einen kleinen Stein im Schuh. Bei jedem Schritt.
Bis man innehält und fragt:
Warum eigentlich? Warum nur warum…
Ich denke, also bin ich …….. und so Frage ich noch einmal:
Könnte es sein, dass wir in Eglisau in eine Zweiklassengesellschaft leben, wo die «Einen» eben mehr Gewicht und Aufmerksamkeit bekommen, als die «Anderen»? Oder wo die «Einen» sich Privilegien gönnen, während die anderen gefälligst auf den Segen derer zu warten haben, welche die gemeinderätliche Aufmerksamkeit (im Volksmund aus Segnungen genannt) mit bitten und zuwarten zu erdulden haben?
Interessant ist auch …
Sucht man im Vereinsverzeichnis der Gemeinde nach der IG Städtli, so findet man dort als Kontakt:
Nando Oberli, seines Zeichen auch Gemeinderat mit Zuständigkeitsbereich Bevölkerungsdienste und Sicherheit.
Auszug aus dem Ressortverzeichnis: Der Geschäftskreis Bevölkerungsdienste ist erste Anlaufstelle für sämtliche Fragen und Anliegen in den Bereichen Einwohnerdienste, Sicherheit und Polizei. Im Weiteren führt er die Gemeindekasse und ist für die rechtskonforme und kundenorientierte Führung des Einbürgerungs- und Bestattungswesens sowie für die Organisation und die Durchführung von Wahlen und Abstimmungen verantwortlich.
Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.
Nun denn, spekulieren hilft nicht.
Dennoch leuchtet mir heute, je länger je mehr, der vom Seglinger Volk geprägte Spruch:
Kommst Du aus Eglisau?
Antwort: Ja
von rechts des Rheins oder links des Rheins?
Antwort: links des Rheins
Ah, dann kommst Du daher wo die armen Wohnen!
Denn rechts des Rheins da leben die Schönen, die Einflussreichen, die Privilegierten und die ganz Reichen!
(Lesen Sie dazu auch «Eglisauer Anekdoten als kleine Hörensagen-Geschichten»)
Der Unkenruf …..
An der Gemeindeversammlung vom 10.Juni 2026 hat die Bevölkerung das Reglement zum kommunalen Mehrwertausgleichsfonds einstimmig angenommen. Ein neuer Geldtopf welcher, vom Kanton vorgeschrieben, von der Bevölkerung geäufnet, den Gemeinden in Zukunft zur freien Verfügung stehen wird.
(Ein Reglement regelt die Einsatz- und Anwendungsgebiete)
Nicht umsonst hat die RPK-Präsidentin darauf hingewiesen, dass bei Kreditbewilligungen aus dem neuen Geldtopf auf besondere Sorgfalt zu achten sei.
Der Gemeinderat kann Antragssteller, Antragsprüfer und Bewilliger in Personalunion sein. Das Volk hat dem so zugestimmt. Wir sollten solchen Konstrukten ganz besondere Aufmerksamkeit schenken. Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sollte eine unabhängige Kommission vor der Bewilligung jeden Antrag prüfen müssen.
Niemandem soll auch nur im «Kleinsten» etwas an die Hose geheftet, oder in die Tasche gesteckt werden. Niemandem soll und darf Bevorzugung oder Eigennutz unterstellt werden, aber einen fahlen Nachgeschmack hat die Schranken-Sache allemal.
(Der Volksmund sagt auch «fehlendes politisches Fingerspitzengefühl» dazu)
Die «Einen» und die «Anderen» oder?
So gibt es eben doch die «Einen» wie es eben auch die «Anderen» gibt.
Wir gönnen den Anwohnern im Städtli und an der Rheinstrasse die wohlverdiente Ruhe von ganzem Herzen, wissen wir doch nur allzu gut was es bedeutet 24 Stunden 365 Tage im Jahr mit übermässigem Lärm leben zu müssen. Auch müssen getroffene Massnahmen wirkungsvoll umgesetzt werden.
Dennoch erwarten wir, die Anwohner der Schlossstrasse, vom Gemeinderat schnellstmöglich eine faire Beurteilung der Situation vor Ort und eine dementsprechende schriftliche Stellungnahme.
Habt alle eine gute Zeit, bleibt gesund und habt immer nette Leute um Euch.
In diesem Sinne «für die Anderen»
Peter Bolli
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So gehoert von einem (bekannten) Eglisauer Politiker: Was in Eglisau passiert, bestimmen wir in den Parteien, nicht die Buerger.
Salü Peter
Danke für Deine Anmerkung.
Eine sehr interessante Interpretation von Demokratie.
Sehr bedenklich solche Äusserungen eines bekannten Eglisauer Politikers in der Öffentlichkeit zu hören.
Vielleicht ein neues Thema für einen interessanten Blogbeitrag in der Zukunft.
Da kann ich nur hoffen, dass dem Politiker in der Zukunft geholfen werden kann :).
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Grüsse Peter