Wir sind Helden: die Präsentation.
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Wir sind Helden ….

Nicht so wie heute diese Influencer mit Ringlicht und Hafermilch-Latte. Nein. Wir waren echte Helden. Geboren in den 50ern und 60ern. Eine Generation aus Kohlenstaub, Nierentisch und Persilweiss.
Wir tranken Wasser direkt aus dem Gartenschlauch und starben trotzdem nicht. Das erzählen wir bis heute jedem unter 40 ungefähr sechsmal pro Grillabend.
Wir hatten keine Helikoptereltern. Unsere Eltern wussten oft den ganzen Tag nicht, wo wir waren. Manchmal interessierte es sie auch einfach nicht besonders. Pädagogik bestand damals aus zwei Sätzen:
„Geh raus!“ und,
„Wart nur, bis dein Vater nach Hause kommt!“
Und wir gingen raus. Ohne Handy. Ohne Tracker. Ohne Sonnencreme Faktor 80. Wenn man einen Freund treffen wollte, klingelte man einfach. Mit der Hand. An einer echten Tür. Und wenn niemand aufmachte, war der Abend praktisch vorbei. So funktionierte Freiheit damals.
Wir bauten Baumhäuser mit rostigen Nägeln und purem Todesmut. Unsere Fahrräder hatten keine 10 Gänge, sondern genau einen: Hoffnung. Velohelme, Fehlanzeige, wozu denn auch.
Natürlich mussten wir viel härter arbeiten als die Generationen nach uns. Wir kauften Häuser für den Gegenwert eines heutigen Tiefgaragenplatzes, hatten sichere Renten, unbefristete Jobs und konnten mit einem Einkommen vier Kinder, einen Hund und ein Reihenhaus finanzieren.
Die Jungen heute haben es leicht.
Sie jammern über Mieten, Klimawandel und Burn-out. Früher gab es kein Burn-out. Da hieß das einfach „der Hans sitzt seit drei Jahren schweigend im Wohnzimmer“.
Und trotzdem: Irgendetwas bewundern wir an den Jungen heimlich doch.
Sie können Gefühle ausdrücken, Avocados schneiden und sich Passwörter merken. Dafür bewundern sie uns wiederum, weil wir einen Videorekorder programmieren konnten. Eine Fähigkeit, die damals ungefähr auf dem Niveau von Quantenphysik lag.
Wir waren Helden.
Oder zumindest Menschen mit Bandscheibenvorfall, die bis heute glauben, dass man vom Sitzen krank wird, aber vom Rauchen nur „eine schöne tiefe Stimme“ bekommt.
Und wenn wir heute sagen: „Früher war alles besser“,
dann meinen wir eigentlich: „Früher waren wir jünger.“
Wir waren die letzte große Generation
Wir waren die letzte große Generation.
Die danach? Ein WLAN-gestütztes Sozialexperiment mit Yogamatte.
Wir, die Jahrgänge der 50er und 60er, wurden noch unter echten Bedingungen großgezogen: ohne WLAN, ohne Therapiehunde und ohne die Möglichkeit, „toxisch“ zu sagen, wenn jemand einfach nur unfreundlich war.
Unsere Kindheit bestand aus Blei im Benzin, aus Zigarettenqualm in den Kneipen, in der Schule waren 42 Schüler in einer Klasse das normalste der Welt, wir gingen kilometerweit zu Fuss, Orangensaft tranken wir aus Blechtuben — und trotzdem leben wir noch. Zumindest die meisten. Und genau deshalb halten wir uns heute biologisch für unzerstörbar.
Wir hatten keine „Work-Life-Balance“.
Wir hatten Arbeit. Vereine, und Leben im freien. Vor allem aber hatten wir Freunde!
Wenn unser Vater früher sagte:
„Ich hatte es schwer!“
dann war das kein Gesprächsangebot, sondern das Ende jeder Diskussion bis 1987.
Die jungen Leute heute brauchen für alles ein Passwort, eine App und emotionale Sicherheit.
Wir brauchten nur zwei Dinge:
Schlüsselband um den Hals und eben, Freunde.
Wir gingen morgens aus dem Haus und kamen irgendwann zurück. Unsere Eltern hatten keine Ahnung, wo wir waren. Ehrlich gesagt: Oft wussten wir es selbst nicht. Trotzdem überlebten wir — obwohl unsere Freizeitaktivitäten hauptsächlich daraus bestanden, mit Stöcken auf Dinge einzuschlagen.
Heute haben Kinder Fahrradhelme, Knieprotektoren und glutenfreie Müsliriegel.
Wir hatten ein Bonanza-Rad ohne Bremsen und eine Capri-Sonne mit vermutlich radioaktivem Inhalt.
Und trotzdem werfen uns die Jungen vor, wir hätten die Welt ruiniert.
Nur weil wir zufällig alles verbraucht haben:
die Immobilien,
die Rentenkassen,
die Atmosphäre
und ungefähr drei Viertel aller Fischbestände.

Aber wir haben dafür hart gearbeitet!
Zum Beispiel mussten wir früher aufstehen, um sonntags einen Parkplatz am Badesee zu bekommen. Das war praktisch Vietnam mit Klappstuhl.
Außerdem waren wir technisch hochbegabt.
Wir konnten Antennen ausrichten, Videorekorder programmieren, Landkarten lesen und falten — Fähigkeiten, an denen heute ein kompletter Informatik-Master scheitern würde.
Die Generation heute dagegen googelt:
„Wie koche ich ein Ei?“
Wir wussten das instinktiv.
Gut, viele Eier waren damals steinhart und grau innen, aber darum geht es nicht.
Und diese Empfindlichkeit heutzutage!
Früher gab es keine Burn-outs, keine Midlife-Crisis und keine Achtsamkeit.
Da hieß alles einfach:
„Stell dich nicht so an.“
Wir waren Helden.
Mit Dauerwelle, Feinripp und einem Cholesterinspiegel, bei dem moderne Smartwatches sofort den Notarzt rufen würden.
Und wenn wir heute sagen:
„Früher war alles besser“,
dann meinen wir eigentlich nur:
„Früher konnten wir ohne Geräusch aufstehen.“

Wir mussten täglich unsere Hausarbeiten erledigen und unser Zimmer, welches wir mit unseren Geschwistern teilen mussten, aufräumen. Täglich mussten wir beim Bäcker Brot holen und die Milch in der Milchhütte holen, selbständig, ohne durch unsere Mutter oder unseren Vater begleitet oder darauf aufmerksam gemacht zu werden.
Wir mussten nach der Schule und vor dem erledigen der Hausaufgaben, das Geld aus der von der Mutter vorbereiteten Brot-Geldbüchse, oder die Milchmarken aus der Milchbüchse nehmen und bei jedem Wetter, auch im Winter, allein – im Dunkeln, unsere täglichen Aufgaben erledigen. Taten wir das nicht, mussten wir ohne Nachtessen ins Bett. Ausreden galten nichts.
Jeden Mittag nach dem Mittagessen mussten wir, bevor wir am Nachmittag wieder in die Schule gingen, das Mittagsgeschirr und -besteck abwaschen. Pause war vorher nicht. Einer musste Abwaschen, der andere das Geschirr und Besteck abtrocknen und verräumen. Motzen war an der Tagesordnung aber drücken ging nicht.
Jeden Samstag war sauber machen angesagt, das Treppenhaus musste gefegt und feucht aufgenommen die Teppiche und Vorleger mussten geklopft werden. Danach mussten wir rund um den Block alle Wege mit dem Reisbesen fegen. Im Sommer, alle drei Wochen, mussten wir, bevor wir unsere Freizeit geniessen konnten, rund um den Wohnblock den Rasen mähen ohne fremde Hilft durch Väter oder Mütter. Im Winter, wenn es geschneit hatte mussten wir, bevor wir zur Schule gingen, mithelfen den über Nacht gefallenen Schnee wegzuräumen.
Reklamieren, sich drücken ging nicht!
Einmal in der Woche musste wir alle Schuhe der Familie putzen, also nicht nur unsere, sondern auch diejenigen von Vater und Mutter. Dabei war ein genauer Vorgehensplan einzuhalten. 1. Schritt: Mit der Wurzelbürste mussten die Schuhe von grobem Dreck befreit werden, auch die Sohlen mussten von Steinchen und anderem Mitbringsel gereinigt sein. 2. Schritt: Mit einem trockenen Lappen musste Schuhwichse aufgetragen werden. Es war darauf zu achten, dass wir auch die richtige Farbe und das richtige Fett benutzten. 3. Schritt: die Schuhe mussten mit einem extra dafür vorgesehenen Lappen vorpoliert werden. Dabei durfte mit etwas Spucke nachgeholfen werden. 4. Schritt: Die Schuhe mussten als Letztes mit einer Polierbürste poliert werden bis man sich darin spiegeln konnte. 5. Schritt: Der Kontrolleur/in, meisten die Mutter, nahm jedes paar Schuhe persönlich in Augenschein. Erst wenn die Schuhe dem kritischen prüfenden Blick genügten wurden sie zum wegräumen freigegeben.
Wir haben überlebt, und dabei viele für unser zukünftiges Leben wichtige Erkenntnisse gewinnen «müssen».
Wir sind Helden …!
In diesem Sinne habt eine gute Zeit und immer nette Leute um Euch
Peter Bolli
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