Die Verdunstung der Verantwortung … Lautstärke ersetzt Vernunft
Vorwort
Die Geschichte der Menschheit ist nicht nur eine Geschichte grosser Ideen, sondern auch eine Geschichte kollektiver Irrtümer. Immer wieder zeigte sich, wie leicht Menschen bereit sind, ihre eigene Urteilskraft an Gruppen, Bewegungen oder Institutionen abzugeben – nicht aus Bosheit, sondern aus dem tiefen Wunsch nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Orientierung. Dort, wo viele dieselben Worte sprechen, entsteht schnell der Eindruck von Wahrheit. Und wo Zustimmung zur Gewohnheit wird, beginnt der Zweifel zu verstummen.
Der folgende Text beschäftigt sich nicht mit einzelnen Personen, sondern mit den Mechanismen der Masse, mit jener eigentümlichen Dynamik, durch die aus wiederholten Parolen Überzeugungen, aus Apparaten Autoritäten und aus blosser Grösse moralische Legitimation entsteht. Er richtet sich nicht gegen politische Teilhabe an sich, sondern gegen den Moment, in dem Denken durch Nachsprechen ersetzt wird und Verantwortung im Kollektiv verschwindet.

Denn die gefährlichsten Systeme entstehen selten aus der Stärke des Geistes. Häufig wachsen sie aus Gedankenlosigkeit, aus Bequemlichkeit und aus der stillschweigenden Bereitschaft vieler, sich dem Lärm der Mehrheit anzuschliessen. Wo niemand mehr innehält, um zu fragen, ob etwas wahr, gerecht oder vernünftig ist, genügt irgendwann die blosse Wiederholung, um jede Behauptung glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Dies ist keine Anklage gegen Menschen, sondern eine Erinnerung an die Notwendigkeit des eigenen Denkens. Freiheit beginnt nicht in Parolen, Parteien oder Programmen, sondern im Mut, sich dem kollektiven Echo zu entziehen und den eigenen Verstand auch dort zu gebrauchen, wo die Masse längst aufgehört hat zu fragen.
Vom Idioten zur….
Franz Kafka sagte, ein Idiot ist ein Idiot, zwei Idioten sind zwei Idioten, 10 000 Idioten sind eine politische Partei. Nicht, weil sie durch ihren Zusammenschluss klüger geworden wären, sondern weil ihre schiere Zahl ihnen ein Gewicht verleiht, dem die Vernunft allein nicht mehr standhalten kann. Was bei Einzelnen noch als lächerlicher Irrtum erscheint, wirkt in der Masse plötzlich wie eine bedeutende historische Notwenigkeit. Die Worte bleiben dieselben doch der Lärm um sie herum wird so gewaltig, dass er jede Stille des Nachdenkens übertönt. Jeder Einzelne wiederholt mechanisch, was er selbst nie begriffen hat. In der kollektiven Echokammer nennen sie diese Leere schliesslich Überzeugung. In diesem Apparat fühlt sich niemand mehr persönlich verantwortlich, denn die Verantwortung verteilt sich auf so viele Köpfe, dass sie schliesslich ganz verdunstet. Die Partei bewegt sich ohne Verstand, sie spricht ohne Erkenntnis und sie entscheidet ohne den leisesten Zweifel. Ein Konstrukt aus Akten und Phrasen und namenlosen Korridoren das sich selbst zum Gesetz erhebt.

Und gerade darin liegt ihre eigentliche Gefahr: Nicht im Genie einzelner Menschen, sondern in der stumpfen Beharrlichkeit der Vielen. Denn die Masse verlangt selten nach Wahrheit; sie verlangt nach Bestätigung, nach Zugehörigkeit, nach der beruhigenden Gewissheit nicht allein zu stehen. Wer widerspricht, erscheint ihr nicht als denkender Mensch, sondern als Störung der Ordnung. So wird aus blosser Zustimmung allmählich Moral, aus Lautstärke, Autorität und aus Wiederholung vermeintliche Wahrheit. Die Partei beginnt schliesslich, sich selbst für unfehlbar zu halten, weil sie nur noch ihr eigenes Echo hört. Und während jeder glaubt, nur ein kleiner Teil des Ganzen zu sein, wächst aus dieser gegenseitigen Entlastung eine Maschine, die niemand mehr steuert und die doch über alle bestimmt. Sie braucht keine Weisheit, solange sie Macht besitzt, und keine Einsicht solange genügend Menschen bereit sind ihr Schweigen als Zustimmung auszulegen.
Resümee:
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass keine Gesellschaft allein durch ihre Größe vernünftig wird. Viele Menschen gemeinsam besitzen nicht automatisch mehr Einsicht als der Einzelne. Oft vervielfachen sie lediglich dieselben Irrtümer bis diese den Anschein von Wahrheit gewinnen. Die Masse erzeugt Macht, doch Macht ist niemals ein Beweis für Weisheit. Gerade darin liegt die bleibende Gefahr jedes politischen oder ideologischen Apparates, dass er Zustimmung mit Erkenntnis verwechselt und Lautstärke an die Stelle des Denkens setzt.

Der Text zeigt, wie leicht Verantwortung im Kollektiv zerfällt. Jeder fühlt sich nur als kleiner Teil eines grösseren Ganzen, bis schliesslich niemand mehr bereit ist, die Folgen des eigenen Handelns zu tragen. Aus dieser gegenseitigen Entlastung entstehen Strukturen die sich verselbstständigen – Maschinen aus Sprache, Regeln und Gewohnheiten die weiterlaufen auch wenn ihr ursprünglicher Sinn längst verloren gegangen ist.
Doch ebenso liegt darin eine Mahnung. Jede Gesellschaft bleibt auf Menschen angewiesen, die bereit sind, selbst zu denken, zu zweifeln und sich dem Druck der Mehrheit entgegenzustellen. Vernunft entsteht nicht durch Wiederholung, sondern durch Prüfung. Wahrheit braucht keine Menge, sondern Klarheit. Und Freiheit beginnt immer dort, wo der Einzelne den Mut bewahrt, Verantwortung nicht an die Masse abzugeben.
Denn letztlich entscheidet nicht die Zahl darüber ob etwas richtig ist sondern die Fähigkeit des Menschen trotz aller Stimmen um ihn herum das eigene Urteil nicht verstummen zu lassen.
In diesem Sinne, habt alle eine gute Zeit, lasst es Euch gut gehen, bleibt gesund und habt immer nette Leute um Euch 😊.
Peter Bolli
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